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Systeme verstehen in Theorie und Praxis (3)

In Teil 1 dieser Serie haben wir gesehen, wie man mit dem Bilanzverfahren ein System topologisch aufteilen kann in Speicher, Stoff-, Energie- und Informationsflüsse, sowie Quellen und Senken dieser Flüsse. Zusätzlich haben wir mit den Systemgrenzen festgelegt, was dazugehört und was nicht. Das Verfahren eignet sich zur Top-Down-Analyse eines Systems

Teil 2 brachte Steuerelemente und Rückkopplungen ins Spiel, mit deren Hilfe wir das Verhalten einfacher Systeme analysieren und beschreiben können. Diese betrachten wir bei der Bottom-Up-Analyse, das heißt, wenn wir zunächst die konkreten Details betrachten, die das System bestimmen.

Damit haben wir die Grundlagen, um einerseits beliebige Systeme in einfache Teilsysteme zu zerlegen und andererseits das Verhalten dieser einfachen Systeme zu verstehen.

Doch leider reicht das Verständnis der Teilsysteme nicht aus, um zu verstehen, wie sich das Gesamtsystem verhält. Das Problem ergibt sich daraus, dass das Zusammenspiel mehrerer Teilsysteme ein Verhalten ergeben kann, welches sich nicht direkt aus dem Verhalten der einzelnen Teilsysteme erklären lässt.

Bei der Aufteilung des Systems mit dem Bilanzverfahren habe ich die Quellen und Senken nur kurz als Kandidaten für Teilsysteme benannt. Tatsächlich ist es so, dass die Flüsse von und zu Quellen und Senken die Systemgrenzen dieser Teilsysteme überschreiten, ebenso wie diejenigen Flüsse, die mit der Umgebung des aktuell betrachteten Systems verbinden. Sie beschreiben somit die Schnittstellen der Teilsysteme.

Obwohl innerhalb des Systems nach wie vor alles mindestens mittelbar mit allem verbunden ist, sind die Beziehungen innerhalb der Teilsysteme enger als zwischen ihnen. Durch die Aufteilung kann ich eine Systemhierarchie bestimmen, deren Tiefe von der Komplexität des Gesamtsystems abhängt. Diese Hierarchie reduziert die Menge von Informationen über das System, die ich gleichzeitig im Kopf behalten muss, weil ich mich jeweils auf das aktuell betrachtete Teilsystem und seine Schnittstellen konzentrieren kann.

Mehr noch, wenn ich die Teilsysteme und ihre Grenzen definiert habe, kann ich anhand der Kommunikation zwischen ihnen bestimmen, wo Probleme lokalisiert sind.

Das Verhalten aller Teilsysteme bestimmt das Verhalten des Gesamtsystems. Dabei können die Teilsysteme in einem gut abgestimmten System Hand in Hand arbeiten und zum Zweck des Gesamtsystems beitragen oder in einem fehlerhaften System gegeneinander arbeiten und die Arbeit des Gesamtsystems stören. Um das zu erkennen, muss ich den Zweck des Gesamtsystems wissen und welchen Beitrag die Teilsysteme dazu leisten sollen.

Dann kann ich bei einem fehlerhaften System entscheiden, ob die Teilsysteme korrekt arbeiten und nur das Gesamtsystem diese falsch verbindet oder ob das Gesamtsystem korrekt ist, aber ein oder mehrere Teilsysteme nicht wie erwartet funktionieren.

Das jeweils aktuell betrachtete System muss ich dabei nicht bis ins letzte Detail kennen, wenn ich es untersuche. Mit Modellen, die das Verhalten adäquat beschreiben und die Kommunikation mit den Teilsystemen und der Umgebung berücksichtigen, kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Einige dieser Modelle werden Thema des vierten und letzten Teils dieser Serie.

Posted 2026-06-18 Tags:

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